Kürzlich bin ich auf der Suche nach neuen, interessanten Dividendenaktien für mein Portfolio auf „Arbor Realty Trust (US0389231087)“ gestoßen. Erst auf den zweiten Blick viel mir ein extremer Peak bei der Dividendenrendite im Q1/2020 auf. Wir erinnern uns: Corona. Die Märkte spielten verrückt und es kam zu einem Blitz-Crash, dem sich vor allem zu Beginn keine Aktie entziehen konnte.
Eine These war in meinem Kopf geboren: Kann man schlagartige Kurskorrekturen des Gesamtmarktes nutzen, um sich günstig bei (angehenden) Dividenden-Aristokraten einzukaufen? Kann man sich dadurch eine fette Dividenden-Rendite holen, welche man ab da dann jedes Jahr kassiert? Wir gehen der Sache nach.
Ausgangsbasis: Der Blitz-Crash
Die letzte wirklich kurzfristige und heftige Kurskorrektur der Märkte war der Corona Blitz-Crash von Mitte Februar bis Ende März 2020. Innerhalb dieser kurzen Zeit verloren Dax und Dow Jones beide ca. 36 %. Interessanterweise verlor der Nasdaq in der Spitze lediglich 28 %, was ungewöhnlich ist, da Wachstumsaktien in Krisen eigentlich immer mehr abgestraft werden als Value- bzw. Substanz-Aktien, welche mehrheitlich als „sichere Häfen“ gelten.
Genauso schnell wie er kam, war der Spuk (zumindest an den Börsen) auch wieder vorbei: Bereits zu Ende August 2020, also nach nur 6 Monaten, waren die meisten Aktien wieder auf Vorkrisenniveau.

Die These: Dividendenrenditen steigen massiv bei Crashs
Für diese Recherche habe ich eine Aktienübersicht von aktienfinder.net verwendet, welche auch in der kostenlosen Basisversion für einen ersten Überblick reicht (mehr Daten sind sicher besser, kosten aber). Da die Höhe der Dividendenrendite sehr verlockend ist, aber alleine nicht ausschlaggebend für den Kauf einer Aktie sein sollte, sortiere ich nach „Dividendensteigerung nach Jahren“. Somit werden mir die Dividenden-Aristokraten mit immer noch hoher Dividendenrendite angezeigt.
Klicke ich jetzt auf die einzelnen Aktien, dann wird mir unter der Tabellenübersicht automatisch die jeweilige Dividendenhistorie angezeigt. Bei manchen Aktien ist bei der Dividendenrendite um 2020 herum ein großer Peak zu sehen:

Um das tiefergehend zu prüfen schaue ich also auf die letzte Dividendenrendite vor dem Crash (31.12.2019) und auf die Rendite zum Höhepunkt des Crashs bzw. dem Zeitpunkt der am nahestehen dran ist in der Übersicht, in diesem Fall um den 31.03.2020.
Aus der Aktienübersicht fielen diese Kandidaten besonders auf:
| Aktie | Div.% vor | Div.% nach | Div.zunahme | Div.steigerung |
|---|---|---|---|---|
| Arbor Realty Trust US0389231087 | 7,9 % | 23,9 % | 202,5 % | 11 Jahre |
| Delek Logistics Partners LP US24664T1034 | 10,5 % | 37,8 % | 260,0 % | 10 Jahre |
| Capital Southwest Corp. US1405011073 | 13,1 % | 24,1 % | 84,0 % | 7 Jahre |
Wir sehen hier massive Dividendenrenditen-Steigerungen um das bis zu 3,6-fache.
Haben wir den Heiligen Gral der Dividenden-Aristokraten gefunden?
Diese Werte klingen super, bedeuten sie doch nichts anderes als dass man jedes Jahr eine Rendite von 24 % – 38 % erzielt (vorausgesetzt das Unternehmen bezahlt weiterhin solch eine Dividende). Heißt auch, dass euer Investment nach 3 bzw. 4 Jahren durch die Dividende praktisch „abbezahlt“ ist und ihr damit nie wieder ins Negative rutschen könnt.
Aber gilt das jetzt pauschal für alle Dividenden-Aristokraten? Die Antwort ist: Jein. Dazu hier drei Beispiele mit den gleichen Prämissen:
| Aktie | Div.% vor | Div.% nach | Div.zunahme | Div.steigerung |
|---|---|---|---|---|
| Altria US02209S1033 | 6,6 % | 8,6 % | 30,0 % | 54 Jahre |
| Leggett & Platt US5246601075 | 3,1 % | 6,0 % | 93,5 % | 53 Jahre |
| British American Tobacco GB0002875804 | 6,3 % | 7,4 % | 17,5 % | 26 Jahre |
Man sieht deutlich geringere Zuwachsraten bzw. wenn es hohe Zuwachsraten gab, dann war in dem Fall vorher die Dividende nicht sehr hoch um einen spürbaren Effekt zu haben.
Also was denn nun?
Warum steigt die Dividendenrendite überhaupt bei Kursabstürzen?
Um die These von oben besser einordnen zu können, bedarf es simples Grundverständnis für die Berechnung der Dividendenrendite:
Dividendenrendite = (Dividende / Kurs) x 100 %
Damit wird ersichtlich, dass die Dividendenrendite stark steigt wenn bei gleichbleibender Dividende der Aktienkurs einbricht:
| Dividendenrendite | Dividende | Kurs |
|---|---|---|
| 10 % | 10 € | 100 € |
| 13,3 % | 10 € | 75 € |
| 20 % | 10 € | 50 € |
| 40 % | 10 € | 25 € |
Interessant dabei ist, dass der Anstieg der Dividendenrendite nicht linear verläuft (im Gegensatz zur Abnahme des Kurses). Das heißt einen echten Schub der Dividendenrendite sehen wir erst bei Kurseinbrüchen von 50 % und mehr (dies im Hinterkopf behalten für später).
Verlieren jetzt Dividenden-Aristokraten in Krisen mehr oder weniger?
Auf Basis der Daten aus der Übersicht (welche sicher nicht erschöpfend sind für dieses Thema), lässt sich erkennen, dass die Zuwachsraten der Dividendenrendite zusammenhängen mit der Anzahl der Jahre der Dividendensteigerungen. Je kürzer die Dividendenhistorie, desto höher der Zuwachs in der Krise.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber nichts anderes, als dass Aktien mit kurzer oder unterbrochener Dividendenhistorie als weniger robust und verlässlich gelten und daher in Krisen stärker verkauft werden. Dazu hier die Kurse der drei Aktien aus Tabelle 1 mit hohem Zuwachs der Dividendenrendite:

Man sieht deutliche Kursverluste zwischen -61 % bis -81 % in der Spitze. In der gleichen Zeit verlor der S&P 500 als Vergleichsindex gerade einmal -33 %.
Echte Dividenden-Aristokraten oder gar Dividenden-Könige scheinen in Krisenzeiten weniger abzustürzen. Gerade eben weil diese Unternehmen bekannt dafür sind immer (auch bei Krisen) ihre Dividende zu zahlen, scheinen Investoren genau solche Papiere zu suchen um wenigstens diese Rendite mitzunehmen und auf die Markterholung zu warten. Dies wird deutlicher wenn man sich die Kurse der drei Aktien aus Tabelle 2 mit moderatem Dividendenzuwachs anschaut:

Die Verluste verlaufen hier fast synchron mit dem Gesamtmarkt. Um mich aber direkt Lügen zu strafen und als Ausnahme der Regel ist die Aktie von „Leggett & Platt“ doch mit -50 % unter die Räder gekommen trotz Dividendenhistorie von 53 Jahren (daher auch der größere Zuwachs der Dividendenrendite im Vergleich zu den beiden anderen Aktien).
Fazit
Nach dem was wir aus dieser begrenzten Analyse gelernt haben, gibt es wie so oft keine pauschale Regel oder Gesetzmäßigkeit ob und wie viel (angehende) Dividenden-Aristokraten bei einem Crash stärker fallen als der Gesamtmarkt. Was wir aber annäherungsweise als kleine Daumenregel festhalten können ist:
- Je stärker der Kursverlust, desto stärker steigt rechnerisch die Dividendenrendite an. Ab circa. 50 % Kursverlust gibt es einen enormen Schub.
- Je überraschender und heftiger der Crash, desto mehr fällt der Gesamtmarkt und damit auch die Dividenden-Aristokraten.
- Tendenziell fallen Dividenden-Aristokraten oder Dividenden-Könige gleich oder weniger stark als der Gesamtmarkt.
- Tendenziell fallen Aktien mit kurzer Dividendenhistorie leicht bis viel stärker als der Gesamtmarkt.
Somit können wir anhand dieser Daumenregeln für uns mögliche Handlungsschritte für den nächsten Crash ableiten:
- Wer Dividenden jagt muss keine Angst haben vor fallenden Kursen. Im Gegenteil: Sie sind eine Chance hohe Dividendenrenditen abzustauben bzw. um Dividendenaktien günstig nachzukaufen
- Ein Crash lässt auch die Kurse der Dividenden-Aristokraten sinken und damit die Dividendenrendite steigen. Somit lohnt es sich eine generelle Watchlist interessanter Kandidaten zu führen und gerade bei solchen Crash regelmäßig zu prüfen.
- Echte Dividenden-Aristokraten und -Könige werden wahrscheinlich auch diesen Crash unbeschadet überstehen und sind daher die erste Wahl. Als risikoreichere Beimischung können aber auch Aktien mit kürzerer Dividendenhistorie dienen (mit der Gefahr, dass das Unternehmen die Dividende kürzt oder gar aussetzt, je nach Schwere der Krise)
- Um für solche Crashs jederzeit bereit zu sein, sollte man stets eine Investitionssumme flüssig als Reserve haben. Mein Ansatz: So viel wie ihr normalerweise auf einmal in eine Aktie investiert und das für zwei Käufe.
Zur Erklärung der Begriffe Dividenden-Aristokraten, Dividenden-Könige und weitere, haben wir einen eigenen interessanten Beitrag: Was sind Dividenden-Aristokraten? Alle Begrifflichkeiten erklärt
Und jetzt seid ihr dran: Habt ihr Erfahrungen mit Käufen bei fallenden Kursen um hohe Dividendenrenditen abzustauben? Decken sie sich mit meinen Beobachtungen? Schreibt es in die Kommentare! 🙂

